André Haschker im Interview mit Captain-Racket

Haschker Andre Squash Europameisterschaft 2013André Haschker ist Spieler der deutschen Squash- Nationalmannschaft und belegt aktuell in der Deutschen Rangliste Platz 4 und in der Weltrangliste Platz 135. Er ist zweifacher deutscher Mannschaftsmeister mit dem Black & White Racket Club Worms und hat mit der deutschen Nationalmannschaft bereits zweimal Bronze bei den Mannschaftseuropameisterschaften gewonnen.

Captain-Racket führte mit ihm ein Telefoninterview, als er gerade im Zug auf dem Weg nach Luzern war um dort ein Weltranglistenturnier als letzten Test für die  Squash-Weltmeisterschaft 2013 in Frankreich zu spielen.

Herr Haschker, Sie sind mittlerweile Squash-Profi. Wo liegen Ihre Anfänge im Squashsport?

Ich komme ja aus der ehemaligen DDR und habe dort aufgrund des Systems der Sportförderung schon die verschiedensten Sportarten kennengelernt: Angefangen mit Ballett, Eiskunstlauf, Schwimmen, Leichtathletik bis hin zu Eishockey und Fußball. 1993 bin ich dann von Berlin nach Singen umgezogen und habe dort durch ein Ferienprogramm Squash kennengelernt. Ich habe es ausprobiert und bin seitdem sozusagen der Leidenschaft des Spiels mit dem kleinen, schwarzen, schnellen Ball verfallen.

Welche Vorbilder im Squash hatten Sie als Jugendlicher? Und haben Sie vielleicht sogar aktuell noch welche?

Die 80er und 90er Jahre werden ja immer gern umschrieben als das goldene Zeitalter des Squashsports. Als ich 1993 angefangen habe, ging dieser Boom langsam schon wieder dem Ende zu. Von meinen Vorbildern wie Rodney Eyles, Peter Nicol oder Jonathan Power habe ich mir Videos besorgt und versucht, mir bei Ihnen etwas abzuschauen.

Aktuell gäbe es da noch David Palmer zu nennen, der zwar schon aufgehört hat, aber eine ganz große Nummer im Squash ist, weil er einfach so viel erreicht hat. Und als aktuellen Spieler möchte ich Grégory Gaultier anführen, bei dem mir einfach sein Spielstil sehr gut gefällt.

Sie sagen von sich selbst Sie wären ein Spätzünder. Haben Squasher, die bereits in jungen Jahren mit dem Spiel beginnen Ihrer Meinung nach grundsätzlich Vorteile?

Ja, denn je jünger – je früher – man anfängt, desto besser ist das generell für die Entwicklung in einer Sportart. Meine Beobachtung ist, dass viele Spieler aus den Top 10 der Weltrangliste sehr, sehr früh angefangen haben. Meistens ist die Konstellation so, dass die Mutter oder der Valter selber gespielt haben oder die Eltern sogar Besitzer eines eigenen Squashcenters sind – die Kinder kommen dann schon von ganz frühem Kindesalter an mit Schläger und Ball in Kontakt und haben dadurch natürlich langfristig gesehen immense Vorteile.

Wobei das aber auch keine Garantie ist später erfolgreich zu sein oder gar zur Weltklasse zu gehören. Gerade an meinem Beispiel können Sie sehen, dass auch Spätstarter eben in einem gewissen Maß zünden
können.(lacht)

Als Squashprofi sind Sie mit 268 Fans auf Facebook eine kleine Berühmtheit. Hätten Sie als Jugendlicher gedacht, dass Sie es im Squash jemals so weit bringen würden?

Das mit den Fans auf Facebook ist natürlich sehr schmeichelhaft. Als Jugendlicher habe ich jedoch nie daran gedacht “berühmt” zu werden, da stand für mich beim Squashen ganz klar der Spaß im Vordergrund. Außerdem war ich als Jugendlicher eine “Wurst” – wenn man das so umreißen möchte – da habe ich gegen viele Spieler verloren, die heutzutage im Erwachsenenbereich keine Rolle mehr spielen. Der Wunsch als Squashprofi tätig zu sein, der kam erst später, als ich dann mit der Schule fertig war und einfach gedacht habe: Jetzt probierst du das mal aus.

Ich betrachte dieses Thema aber auch etwas melancholisch: Aus meinem Jahrgang bin ich der einzige, der aktuell als Profi unterwegs ist, aber da gab es so viele begabte Spieler, gegen die ich damals gespielt habe und die aus den verschiedensten Gründen eben kein Profi geworden sind oder es nicht durchgehalten haben. Es schaffen leider eben nur wenige Spieler den Durchbruch und können davon leben – der Rest bleibt auf der Strecke.

Genau deshalb versuche ich für meine “Fans” konstruktive Informationen bereitzustellen, über das was ich so tue. Wenn das den Leuten gefällt, dann verfolgen sie das auf Facebook und klicken “gefällt mir”. Wichtig ist mir dabei seriös zu bleiben und nicht alles zu kommentieren und zu posten, was gerade so passiert. Man kann in den Medien ja unendlich viel Zeit verbringen, aber ich möchte Squash mit einer gewissen Ernsthaftigkeit rüberbringen und versuche für meine Fans immer das Wichtigste rauszufiltern.

Sie haben in einem Interview mit der Frankenberger Zeitung den vierseitigen Glascourt als ihren Lieblingsort genannt. Wie gehen Sie mit der Zuschauermenge und der Nervosität um?

Das war damals in Paderborn bei der Mannschaftsweltmeisterschaft – meiner Ersten überhaupt – schon sehr neu und ungewohnt. Ich kann mich auch erinnern, dass es damals im ersten Gruppenspiel gegen Irland unentschieden stand und ich das letzte entscheidende Spiel über Sieg oder Niederlage vor mir hatte. Bei ausverkauftem Haus und 1000 squashbegeisterten Zuschauern war das damals schon ein enormer Druck, der auf meinen Schultern gelastet hat. Aber ich habe mir damals einfach während des Spiels alle Zuschauer nackt vorgestellt – da war der Druck dann nicht mehr so groß.

Gerade nach Rückschlägen fällt es vielen Sportlern schwer sich selbst zu motivieren. Was ist Ihr Motivationsgeheimnis?

Ja, wer verliert schon gerne? Ich habe da vielleicht eher ein Motto als ein Geheimnis. Grundsätzlich gehören Niederlagen zum Sport dazu. Jeder der Squash auf einem gewissen Niveau spielt kennt das. Aber gerade bei Squashanfängern ist es ganz normal, dass man zu Beginn mehr verliert als gewinnt. Mein Motto ist daher, dass es keine Schande ist hinzufallen, sondern dass es eine Schande ist nicht wieder aufzustehen.
Häufig habe ich die größten Verbesserungen aus Niederlagen gezogen, nicht aus Siegen. Siegen verleitet immer zu der Annahme “Ich hab ja alles richtig gemacht!” und stößt damit dann eben keinen Entwicklungsprozess an. Wenn man viel verliert, dann ist das ein Zeichen, dass es nicht so läuft wie es sollte, man kann in sich gehen und sich verbessern.

Außerdem gibt es nach einer Serie von Niederlagen auch immer wieder ein Spiel, das man gewinnt. Auch ich freue mich natürlich, wenn ich gewinne, klar, aber Verlieren ist einfach Teil des Sports. Und gerade im Squash gibt es immer zwei Spieler, die beide siegen wollen. Deshalb trifft das Motto in meinen Augen gut zu und gibt ein bisschen meine Motivationsgrundlage wieder.

Sie haben Anfang Mai mit Ihrer Mannschaft Bronze bei den Europameisterschaften geholt. Was sind Ihre Ziele für 2013?

Konkret bin ich gerade auf dem Weg nach Luzern. Den dortigen Pilatus Cup, ein Weltranglistenturnier der Kategorie “Challenger 5”, nehme ich als letzten Test für die Mannschaftsweltmeisterschaft im Juni in Mulhouse, Frankreich, mit. Das wird dann auch noch mal eine richtig große Nummer zum Saisonabschluss. Deutschland ist an Position 6 gesetzt; in einer Gruppe mit USA, Tschechien und Irland. Das wäre schon eine Riesennummer die “WM” vielleicht mit dem Viertelfinale und einem Platz unter den letzten “Acht” zu beenden. Vor 2 Jahren in Paderborn war uns das aufgrund der Setzung vergönnt. Das ist für mich persönlich also auch noch ein ganz, ganz großes Ziel zum Abschluss dieser Saison.

Sie sind sowohl Profispieler als auch Squashtrainer. Welche Tipps würden Sie Jugendspielern mit auf den Weg geben, die einmal genauso erfolgreich werden wollen wie Sie?

Wenn ich Ihnen natürlich jetzt hier zu viele Tipps verrate, werde ich ja arbeitslos. (lacht) Für mich stand am Anfang der Spaß im Vordergrund. Das sollte zu Beginn auch so sein – nur vergessen das leider viele. Spaß dann gepaart mit einer gewissen Neugier zur Weiterentwicklung und ganz wichtig – das habe ich auch über die Jahre oft gesehen – dass man eben nicht nach Misserfolgen aufgibt, sondern Durchhaltevermögen an den Tag legt.

Hier möchte ich Tiger Woods anführen, der sagt, dass für ihn langfristig betrachtet Turniersiege nicht so wichtig sind, sondern für ihn zählt die Entwicklung auf ein gesamtes Jahr betrachtet. Oder länger. Daher würde ich Durchhaltevermögen groß und fett unterstreichen – das halte ich als sehr, sehr wichtige Komponente für eine Karriere.

Auf ihrer Webseite ist zu lesen, dass Sie den Schläger Tecnifibre SUPREM NG 130 spielen. Könnten Sie uns erklären, was Ihnen an diesem Schläger besonders gefällt?

Der Squashschläger ist mein Arbeitsgerät und daher enorm wichtig. Mit Tecnifibre arbeite ich jetzt schon seit 2005, also quasi fast eine ganze Dekade zusammen und das Material ist einfach top. Sie haben mit die stabilsten Schläger auf dem Markt und der Suprem zeichnet sich durch einen sehr steifen Rahmen aus, was wichtig für ein gutes Gefühl im Umgang mit dem Ball ist. Der NG 130 ist außerdem sehr kopflastig, was ich gerne mag, weil es den Schwung unterstützt. Außerdem benutze ich den Klassiker “TF 305” von Tecnifibre, die grüne Saite, die nochmal ein Mehr an Beschleunigung und Ballgefühl liefert.

Und für mich nicht zu unterschätzen: er sieht einfach geil aus. Man muss schließlich auch auf dem Platz gut aussehen.

Sie sind ein großer Unterstützer des Squashsports und versuchen dessen Bekanntheitsgrad in Deutschland zu erhöhen. Warum sollte Squash olympische Sportart werden?

Da sag ich erstmal “Danke” für das Kompliment. Man könnte jetzt natürlich philosophieren warum Squash olympisch weden sollte. Da gibt es Funktionäre, die sich vorstellen, dass dann einfach mehr Geld zur Förderung vorhanden ist. Dann gibt es auch Leute, die sagen, dass die Aufnahme ins olympische Programm die Sportart öffentlichkeitswirksam weiter voranbringen würde.

Aber für mich ganz einfach und kurz zusammengefasst: Squash sollte olympisch werden, weil die Sportart es einfach wert ist.

Vielleicht können wir Sie ja dann auch bei den olympischen Spielen 2020 sehen?

Das wäre vielleicht sehr, sehr – vielleicht ein bisschen – vermessen einfach vom Alter her, immerhin bin ich jetzt 30, 2020 wäre ich dann 37/38. Es ist zwar möglich, denn mittlerweile – das weiß ich aus eigener Erfahrung – gibt es viele gute Spieler zwischen 35 und 40, die mich schlagen oder schlagen könnten. Man sollte also niemals nie sagen.

Aber insgesamt würde ich es auf jeden Fall dem Squashsport gönnen aufgrund der Kombination aus Fähigkeiten, die man dazu braucht um erfolgreich zu sein. “The ultimate mind and body sport” wurde es einmal im Englischen beschrieben. Eine gute Studie vom Forbes Magazin – nur um das an dieser Stelle auch noch einmal anzuführen – führt Squash als die gesündeste Sportart überhaupt an!

Ob ich dann dabei bin, oder nicht – ich würde es auf alle Fälle der Sportart Squash gönnen. Was das dann schlussendlich loslöst, ob es wirklich so kommt, wie sich das einige ausmalen, werden wir erst dann sehen.

Aber warum nicht? Warum nicht olympisch?

Sie haben einen sehr prägnanten Spitznamen: Der Hexer. Woher kommt der Name und wie stehen Sie dazu?

Ein Freund hatte mir damals bei einem Spiel zugeschaut und der fand das einfach in seinen Augen unmöglich, was ich da für unerreichbare Bälle zurückgespielt habe. Haschi war als Kurzform von Haschker schon bekannt und da es für ihn wie verhext war, dieses Zurückbringen der unerreichbaren Bälle, kam er schließlich auf die Alliteration “Haschi der Hexer” und mein Spitzname “der Hexer” war geboren. Seitdem hält sich das und ich finde es gut, weil der Hexer mittlerweile nicht nur laufen, sondern auch noch platziert spielen kann. (lacht)

Und ab und zu – gerade wenn ich in Mannschaftswettbewerben antrete – gibt es Spiele, bei denen die breite Expertenmeinung eher in die Richtung “Das wird knapp!” oder “Das Spiel kann er nicht gewinnen!” geht. Da passiert es dann anscheinend doch öfter, dass ich, in Kombination mit meinem Spitznamen, es doch schaffe diese Spiele zu drehen, umzubiegen und zu gewinnen – von daher ist der Spitzname eben auch ein Prädikat für Qualität.

Hinterlasse einen Kommentar




Nachricht: